Großstadtdschungel? Bald unter dem Beton

krawallEs gibt also Krawalle. Bald. Bei mir um die Ecke.

Denn leider sind die Chancen minimal, dass in meinem Kiez eine Baulücke kein teures Appartement-Haus wird. Tatsächlich sind die Würfel längst gefallen; ein Park ist ausgeschlossen. Ich kann kaum glauben, wie perspektivlos die Berliner Stadtplanung die Innenstadt ruiniert. Überall auf dem Planeten werden die Städte grüner, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. In Berlin dagegen wird betoniert, als lebten wir in den 1970er Jahren.

Ob Bürgermeister Wowereit auf diese Art seiner Jugend nachtrauert? Oder Kompetenz, Weitblick und Wissen um technische Zusammenhänge beweist, wie bei dem Bau eines Großflughafens?

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Neues aus dem Großstadtdschungel: Einwohner als wilde Tiere

20130821_190857Wir Berliner sind eigentlich Hunde. Oder Katzen. Oder Füchse. Jedenfalls sind wir keine großstädtischen Kosmopoliten, sondern territoriale Tiere. Aus Amsterdam zurückgekehrt, fallen mir die ganzen Anti-Touristen-Parolen viel mehr auf als vorher. Amsterdam ist wie London eine der beliebtesten Städte Europas und weit mehr von Touristen überlaufen als Berlin. Und doch verdrehen die Amsterdamer nur kurz die Augen, wenn wieder jemand den Radweg auf einem Leihrad blockiert, der zuletzt im Grundschulalter Fahrrad gefahren ist (und damals schon immer runtergefallen ist). Die Londoner bleiben auch höflich, egal was die Touristen anstellen. Gefasst warten sie, bis auch der letzte einer Reisegruppe begriffen hat, wie der Zugang zur U-Bahn funktioniert.

Berlin-doesnt-love-you2-1024x614Territorialverhalten dient dazu, das eigene Territorium gegen andere Tiere der gleichen Art zu verteidigen und gegen deren Territorien abzugrenzen. Auf diese Weise werden Nahrungs- und Sexualkonkurrenten auf Distanz gehalten, zusätzlich führt es dazu, dass sich die Art über eine größere Fläche verteilt.“ Genau… Die Touristenschwemme lässt die Mieten steigen, und die Besucher treiben generell die Preise in die Höhe. Also werden sie angeknurrt, in der Hoffnung, sie zu vertreiben. Ein bisschen peinlich finde ich das schon. Zudem der Revierkampf von Mensch zu Mensch schlechter funktioniert als bei den Füchsen. Die Touristen jedenfalls bleiben, kommen wieder wieder und bringen ihre Freunde mit.

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Bambi Goes West: Hitze in Amsterdam

Ich bin im heißesten Sommer seit Jahren in Amsterdam. So nah an der Küste sind Temperaturen über 26 Grad eine echte Rarität. Die Hitze lässt sich jedoch gut aushalten, wenn schon 30 Minuten Zugfahrt entfernt der Strand wartet. Aber ich merke der Stadt an, dass sie hohe Temperaturen nicht gewohnt ist. Überall ist es zu warm: Riesige Fenster ohne Vorhänge, wenig Schattenspender vor Cafes, viele offene Plätze ohne Bäume – die Amsterdamer köcheln konstant im eigenen Saft.

Hintereingang über den Balkon.

Hintereingang über den Balkon.

Mein persönliches Problem ist der Balkon. Meine Gastgeberin hat mich ausdrücklich gewarnt, im Viertel seine Einbrüche nicht selten, und ihre Wohnungstür ziert ein zusätzliches Sicherheitsschloss. Vom Treppenhaus aber muss ein Einbrecher nur über eine Mauer klettern, die auch ein Sieben- oder Siebzigjähriger mühelos meistert, und steht auf dem Balkon. Nachts bleibt also die Balkontür zu. Abkühlen kann die Wohnung so natürlich nicht! Ein simples Gitter würde schon reichen, aber nächtliches Lüften scheint wenig Priorität zu haben in einer Stadt, der Sommerhitze fremd ist. Liebe Hausverwaltung, angesichts des Klimawandels hätte ich da eine Anregung…

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Bambi Goes West II: Notfall am Strand

Es ist schwierig, in den Niederlanden nicht in unmittelbarer Nähe eines Strandes zu wohnen; da muss man schon ins Grenzgebiet zu Deutschland ziehen. Zum Glück scheint diese Nähe und die lange, mit dem Meer verbundene Geschichte den Niederländern kollektiv eingeprägt zu haben, was bei Notfällen am Strand zu ist.

rettungGestern bin vor der Hitze (der heißeste Tag seit neun Jahren) aus Amsterdam an den Strand geflüchtet. Gegen vier Uhr nachmittags änderte sich von einer Minute auf die andere die Stimmung. Hastig rannten Badende aus dem Wasser und zogen ihre Kinder mit sich; andere liefen hinein, und spontan bildeten mehr als 100 Menschen in Sekunden eine Kette quer zur Brandung. Ein Wagen vom Rettungsdienst fuhr langsam den Stand ab: Per Megafon wurde bekannt gegeben, dass ein sechsjähriger Junge vermisst werde. Schwimmer sollten das Wasser verlassen, um die gezielte Suche zu erleichtern, freiwillige Helfer seien willkommen. Ohne (wie es mir schien) jede weitere Anweisung bildeten sich jeweils in etwa 200 Metern Entfernung voneinander weitere Menschenketten, die das Wasser durchkämmten. Die Aktion lief so perfekt choreographiert ab, als hätten Hunderte Strandbesucher heimlich vorher wochenlang geübt, nur um mich zu verblüffen. Vielleicht liegt es am Matrosenblut, das vielen durch die Adern fließt? Ein kollektives Wissen, das die Nordsee kein Spielplatz ist, sondern schnell lebensgefährlich werden kann?

Zum Glück aber zogen die Retter keinen bewusstlosen Sechsjährigen aus dem Wasser. Nach einer Viertelstunde konzentrierter, grimmiger Suche stand das Kind plötzlich einfach so neben dem Rettungswagen. Staubtrocken.

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Bambi Goes West I: Katzen an der Macht

Platzsparend zu verstauen.

Platzsparend zu verstauen.

Ich bin als Cat-Sitter nach Amsterdam gekommen – ohne zu ahnen, dass dieser Umstand bereits Einblick in die niederländische Seele erlaubt. Die Niederländer lieben Katzen und leben mit mindestens einer Katze pro Haushalt, gern auch gleich mit zweien. Wer keine Katze hat, entschuldigt sich mit einer Allergie. Oder mit dem Vorhandensein eines Hundes, aber das ist in der Stadt seltener. Im Vergleich zu Berlin sieht man extrem wenig Hunde auf den Straßen. Einfach keine Katzen zu mögen, scheint verboten zu sein – möglicherweise droht sogar die Abschiebung nach Afghanistan.

Dass Katzen Hunde an Popularität übertreffen, leuchtet ein: Das Land ist klein, die Wohnungen sind klein (und in Amsterdam zudem entsetzlich teuer), da bietet es sich nicht unbedingt an, mit drei Deutschen Doggen sein Leben zu teilen. Darüber hinaus spekuliere ich noch: Kommen die anarchistischen Opportunisten dem niederländischen Temperament entgegen? Oder brachten die vielen, vielen Polder und Grachten große Rattenvorkommen mit sich, so dass früher nur eine Katze im Haus die Nager davon abhalten konnte, den Niederländern nachts die Zehen anzuknabbern?

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Bambi Goes West: Mensch und Natur in den Niederlanden

Der Blog lag einen Monat brach – das Bambi-Syndrom musste ungesund viel arbeiten. Jetzt jedoch steht drei Wochen Entspannung auf dem Programm. Ich bin als Cat-Sitter im Urlaub in Amsterdam. Und als Korrespondentin, weil die Niederlande ein ideales Land sind, um sich mit dem Verhältnis von Mensch und Natur auseinander zu setzen. Denn ohne unermüdliche menschliche Deichbauer stünde hier nichts, weil gar kein Boden da wäre, auf dem etwas stehen könnte. Stattdessen spielten Meereswellen. Zudem wird das winzige Land so intensiv bebaut und bepflanzt wie kaum ein anderes Fleckchen Erde auf der Welt. Was macht das mit Mensch und Tier? Diese Frage verfolgt das Bambi-Syndrom in den nächsten Wochen in der Reihe „Bambi Goes West“.

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Der Weg zum Glück: Schafe und gute Gummistiefel?

Gerade habe ich „Landleben – Von einer die rauszog“ von der in Frankfurt geborenen Hilal Sezgin gelesen. Sezgin ist vor einigen Jahren aus der Frankfurter Innenstadt in das Lüneburger Umland gezogen. In „Landleben“ beschreibt sie ihre ersten Jahre. Auf dem Land, hat sie gelernt, braucht eine Frau gülleresistente Gummistiefel – jedenfalls dann, wenn sie sich täglich mit vollem Engagement um eine Schafherde kümmert. Sezgin hat nicht nur die Schafe lieben gelernt. Ihr Dorf scheint ein perfekter, weltoffener Ort zu sein. Wie hat sie das nur hingekriegt?

Glücklich mit Schafen.

Glücklich mit Schafen.

Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Ich erinnere mich an eine konservative, zum Ersticken spießige Atmosphäre. „Stadtluft macht frei“ ist für mich trotz allen Feinstaubs bis heute keine leere Phrase. Manchmal träume auch ich davon, im Garten wieder Eidechsen zu treffen, statt (wie in meinem Gemeinschaftsgarten üblich) Hundehaufen und ab und an benutzte Spritzen wegräumen zu müssen. An Stelle von Nachbarn die einander hinter den Gardinen belauern, trifft Sezgin sympathische Biobauern, Keramikerinnen und Tierärzte, die sie mit offenen Armen aufnehmen. Hat sie einfach nur Glück gehabt oder sich das Leben auf dem Land so verändert?Oder sieht sie die deutsche Provinz durch die rosarote Brille?

Was das Buch für mich bei aller Skepsis zum Lesevergnügen macht, sind mit Selbstironie erzählte Alltagsgeschichten über das Einfangen von Schafen, die Koexistenz mit bissigen Gänsen und die Tücken des Gemüseanbaus. Mit kann Letzterem ich mich identifizieren! Sezgin erträumt sich zunächst ein neues Leben als emsig einkochende Landfrau mit großem Gemüsegarten. Bis alles was sie anbaut, von Schnecken gefressen wird oder eingeht. Auch mir macht das Gärtnern zum Glück völlig unabhängig vom Erfolg Spaß. Mindestens ein Drittel meiner Pflanze wird ebenfalls gefressen, von Blattläusen heimgesucht oder ertrank letztes Jahr im Dauerregen. Selbst Gemüse anzubauen macht demütig – und dankbar dafür, dass der nächste Supermarkt nicht weit ist. Trotzdem kann ich jedem nur empfehlen, in der Großstadt ein bisschen Bauer oder Bäuerin zu spielen. Und sei es nur, und nicht mit völlig unrealistischen Vorstellungen aufs Land zu ziehen.

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