Herbst in Berlin – Mundräuber trifft Laubmonster

Um meinen Jäger-Film gab es einige Aufregung unter den Waidmännern. Nachvollziehen konnte das kaum ein Nicht-Jäger: Die fanden den Film geschlossen sehr fair oder sogar „zu freundlich und ausgewogen“. Interessant, welche unterschiedlichen Wahrnehmungen aufeinanderprallen – als hätten die jeweiligen Parteien nicht den gleichen Film gesehen.

Sicherheitsrisiko? Lebe wild und gefährlich!

Rutschgefahr? Lebe wild und gefährlich!

Während sich in Online-Foren Jäger und Tierrechtler stritten, hat in Berlin endlich der goldene Herbst angefangen, auf den wir alle gewartet haben. Landbewohner stellen sich meist vor, Städter würden kaum etwas von den Jahreszeiten mitbekommen. Alles Unsinn: In den letzten Wochen habe ich nur noch in meinem Kiez selbstgepflückte Äpfel und Mirabellen gegessen, und in meiner Küche lagern Walnüsse aus der Berliner Innenstadt. Wer in der Stadt ernten will, kommt um Mundraub kaum herum. Auf dieser wunderbaren Seite kann jeder, der im öffentlichen Raum erntereife, essbare Früchte, Nüsse und Kräuter findet, den Fundort eintragen, damit sich dort auch andere bedienen können. Das klappt in der Regel gut – wer will schon den ganzen Pflaumenbaum allein abernten? Schwieriger wird es bei Delikatessen wie Maronen; da hatten dieses Jahr (wie, nur nebenbei bemerkt, letztes Jahr) immer schon andere Mundräuber alles abgeräumt, bis ich an Ort und Stelle war. Manches wuchert auch so omnipräsent in der Stadt, dass ich es gar nicht mehr bei Mundraub eintrage – Rucola wächst überall in Berlin mit solcher Entschlossenheit, als wolle er den Bären als Wahrzeichen ablösen.

Genauso üppig wuchert das Laub auf den Berliner Gehwegen: Wie schön, in der Herbstsonne durch die raschelnden, bunten Blätter zu laufen! Finde ich. Eine Touristin beklagte sich vor einigen Tagen unüberhörbar auf der Straße: „In München wird das gekehrt.“ Diese Bayern! Tatsächlich soll das Laub ein Sicherheitsrisiko darstellen. Dabei muss ich immer an diese Katzenfutterreklame denken, in der der Kater gefährliche Laubmonster jagt… Uns Berlinern wird das Laub (mit seinen Monstern) aber zum Glück noch erhalten bleiben. Die Stadtreinigung schafft es seit Wochen beispielsweise allein in meiner Straße schon nicht, Folgendes zu entfernen:

  1. ein kaputtes blaues Sofa mit großem Brandloch, inzwischen mit Graffiti verziert,
  2. zwei fleckige Matratzen, inzwischen nass,
  3. einen TV-Schrank aus Kieferfurnier mit Aufklebern, inzwischen schon fast zerlegt.

Und ich freue mich, dass der Müll wenigstens von bunten Blättern bedeckt ist.

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