Der Weg zum Glück: Schafe und gute Gummistiefel?

Gerade habe ich „Landleben – Von einer die rauszog“ von der in Frankfurt geborenen Hilal Sezgin gelesen. Sezgin ist vor einigen Jahren aus der Frankfurter Innenstadt in das Lüneburger Umland gezogen. In „Landleben“ beschreibt sie ihre ersten Jahre. Auf dem Land, hat sie gelernt, braucht eine Frau gülleresistente Gummistiefel – jedenfalls dann, wenn sie sich täglich mit vollem Engagement um eine Schafherde kümmert. Sezgin hat nicht nur die Schafe lieben gelernt. Ihr Dorf scheint ein perfekter, weltoffener Ort zu sein. Wie hat sie das nur hingekriegt?

Glücklich mit Schafen.

Glücklich mit Schafen.

Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Ich erinnere mich an eine konservative, zum Ersticken spießige Atmosphäre. „Stadtluft macht frei“ ist für mich trotz allen Feinstaubs bis heute keine leere Phrase. Manchmal träume auch ich davon, im Garten wieder Eidechsen zu treffen, statt (wie in meinem Gemeinschaftsgarten üblich) Hundehaufen und ab und an benutzte Spritzen wegräumen zu müssen. An Stelle von Nachbarn die einander hinter den Gardinen belauern, trifft Sezgin sympathische Biobauern, Keramikerinnen und Tierärzte, die sie mit offenen Armen aufnehmen. Hat sie einfach nur Glück gehabt oder sich das Leben auf dem Land so verändert?Oder sieht sie die deutsche Provinz durch die rosarote Brille?

Was das Buch für mich bei aller Skepsis zum Lesevergnügen macht, sind mit Selbstironie erzählte Alltagsgeschichten über das Einfangen von Schafen, die Koexistenz mit bissigen Gänsen und die Tücken des Gemüseanbaus. Mit kann Letzterem ich mich identifizieren! Sezgin erträumt sich zunächst ein neues Leben als emsig einkochende Landfrau mit großem Gemüsegarten. Bis alles was sie anbaut, von Schnecken gefressen wird oder eingeht. Auch mir macht das Gärtnern zum Glück völlig unabhängig vom Erfolg Spaß. Mindestens ein Drittel meiner Pflanze wird ebenfalls gefressen, von Blattläusen heimgesucht oder ertrank letztes Jahr im Dauerregen. Selbst Gemüse anzubauen macht demütig – und dankbar dafür, dass der nächste Supermarkt nicht weit ist. Trotzdem kann ich jedem nur empfehlen, in der Großstadt ein bisschen Bauer oder Bäuerin zu spielen. Und sei es nur, und nicht mit völlig unrealistischen Vorstellungen aufs Land zu ziehen.

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