Großstadtdschungel Berlin: Dem Trend voraus im Mikrohaus

Im gestrigen „Tagesspiegel“ bin ich über einen Artikel zum Thema „Mikrohäuser“ gestolpert, angeblich ein ganz neuer und zukunftsweisender Trend: Denn winzige Häuser mit kompakter Wohnfläche verbrauchen weniger Energie; oft lässt sich ihr Bedarf mit eigenen Solarzellen decken. Kommt Familienzuwachs, wird ein Häuschen angebaut, Freunde können Mikrohäuser zusammen auf einem Grundstück platzieren. Und beim Umzug kann man sein Haus problemlos mitnehmen.

Trendige Mikrohaus-Siedlung. (Foto: © Maschinenjunge)

Zukunftsweisend nachhaltige Mikrohaus-Siedlung. (Foto: © Maschinenjunge)

Neugierig geworden habe ich ein bisschen recherchiert. Der Tagesspiegel-Text ist leider nicht online verfügbar, aber auch die „Welt“ findet die Idee bahnbrechend, denn das Minihaus ist „… ein kleines Raumwunder. Küche, Bad, ein Wohn- und Schlafzimmer: Das alles findet in Shafers „Tiny House“ auf nur 25 Quadratmetern Platz. Und das Minihaus hat sogar Räder. Mittlerweile baut der 46-Jährige seine Kleinst-Eigenheime in Serie und vertreibt sie über seine eigens dafür gegründete Firma, die Tumble Weed Tiny House Company.“ Auch in Europa gibt es die ersten Hersteller der kompakten Häuschen. Mikrohäuser kosten von 30.000 Euro aufwärts, 100.000 Euro etwa legen Kunden für einen Design-Klassiker wie den „Loftcube“ hin.

Schön blöd. Das Konzept winziger mobiler Häuschen, die sich beliebig umstellen lassen und hervorragend zu Wohnorten für viele Menschen kombinierbar sind, ist ein (schöner) alter Hut. Unter dem Namen „Bauwagenplatz“. Bloß sind die meisten Wagenplätze in Deutschland ständig von Räumungen bedroht. Und die „Trailer Parks“ in den USA gelten als Horte dauerbesoffener Asozialer. Obwohl diese Wohnformen all die Vorteile kombinieren, die dem unter Stichwort „Mikrohaus“ zu Attributen nachhaltigen Schicks werden. Ein weiterer Vorteil der Wägen und Trailer: Für die muss niemand 30.000 Euro ausgeben. „Welt“ wie „Tagespiegel“ sitzen in Berlin, wo im Großstadtdschungel die zukunftsweisende, nachhaltige, kreative Mikrohaus, ähmm,Wagenplatz-Kultur in vielen Stadtteilen schon lange blüht. In den Artikeln zum Thema werden Bauwagenplätze mit keinem Wort erwähnt? Sind die „irgendwie zu achtziger“? Ob räumungsbedrohten Plätzen eine Umbenennung in „Sustainable Micro Homes Community®“ helfen kann?

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2 Antworten zu Großstadtdschungel Berlin: Dem Trend voraus im Mikrohaus

  1. Ken Takel schreibt:

    White Trash, dann also bald auch hier. Da fällt mir folgender Song von Colt Ford ein: There ain’t no trash in my trailer, since i kicked you out of here. Ich glaub der wusste gar nicht dass er in einem nachhaltigen Microhome wohnt.
    Ich mein eigentlich könnte es cool sein aber hierzulande wohnen bisher entweder laubenpieper mit Deutschlandfahne oder Punks in solchen Siedlungen.

    • Bambi-Syndrom schreibt:

      Ja, in den Trailerparks wissen die noch von nix, glaube ich auch ;-).
      Punks mag ich… aber die Deutschlandflaggenirren als Avantgarde neuer Wohnformen sind harter Tobak…

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