Träumerles planen Recycling: Utopie und Mülltrennung

„Einfacher und umweltfreundlicher“ wird für Berliner die Mülltrennung in Zukunft laut Christian Gaebler, Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Übersetzt heißt das natürlich, das System wird gerade wieder komplizierter und unrealistischer. Ich zitiere die „Morgenpost„: „Denn anders als bisher in den orangen Tonnen dürfen dort künftig keine Elektrokleingeräte mehr entsorgt werden. Fön, Rasierer oder der defekte Toaster müssen nun wie Textilien, Datenträger und Holz wieder zu einem der 15 Berliner Recyclinghöfe gebracht werden. Nach wie vor haben auch Batterien und Energiesparlampen nichts in der Wertstofftonne zu suchen.“

Deutscher Recyclingexperte (Symbolbild)

Deutscher Recyclingexperte (Symbolbild).

Zum nächsten Recyclinghof fahre ich 45 Minuten Bahn und je nach Verkehrsaufkommen 30-60 Minuten mit dem Auto. Ich wohne zentral. Sogar Batterien, die sich fast ohne Aufwand in vielen Läden entsorgen lassen, landen jedoch zu mehr als 50 Prozent im Hausmüll. Wie realistisch ist es, darauf zu bauen, dass Berliner Bürger einen zweistündigen Ausflug einplanen, um sich des kaputten Toasters zu entledigen? Oder der quecksilberhaltigen Energiesparlampen? Bei den Abfallentsorgern scheinen süße, großäugige Träumerles mit unglaublich unrealistischem Menschenbild zu arbeiten. Quecksilber ist giftig, und bald wird es en masse im Hausmüll landen.

Das Vertrauen noch der enthusiastischsten Mülltrenner wird zudem immer wieder von Fehlplanungen der Träumerles und deren Folgen erschüttert. Das sorgsam sortierte Plastik beispielweise wird zu etwa zwei Dritteln nicht recycelt, sondern „thermisch verwertet“, d.h. verbrannt. Denn in Deutschland stehen zu viele Müllverbrennungsanlagen. Und die müssen laufen, weil sie eine Menge Geld gekostet haben und jetzt eben da sind. Plastik brennt gut. Deutscher Müll reicht für den Betrieb nicht aus, bereits heute importiert Deutschland fast sieben Millionen Tonnen Müll pro Jahr. „Das meiste davon wird recycelt oder in geeigneter Form verwertet,“ so das Umweltbundesamt. Leider ist davon auszugehen, dass auch im UBA Träumerles arbeiten, die thermische Verwertung für eine „geeignete Form“ halten.

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