Ökofimmel: Vom Wahnsinn deutscher Umweltpolitik

Jetzt habe ich endlich „Ökofimmel“ von Alexander Neubauer gelesen. Das Buch kam zwar schon im Frühjahr 2012 heraus und liegt thematisch in meinem Interessensfeld. Abgeschreckt hat mich vor allem der positive Kommentar von Jan Fleischhauer auf dem Buchrücken. Fleischhauer hat 2010 „Unter Linken“ veröffentlicht. Intelligente Kritik ist immer willkommen, aber leider ist Herr Fleischhauer kein intelligenter Kritiker. Von einigen wirklich witzigen Passagen über seine Kindheit abgesehen, ist ihm ein völlig überflüssiges Buch gelungen, das sich trotzdem ganz gut verkauft hat. Fleischhauers Empfehlung ließ vermuten: Von Alexander Neubauers Werk ist nicht viel mehr zu erwarten als von „Unter Linken“. Das war falsch. Neubauer beschreibt, wie wir mit deutscher Sorgfalt, Gründlichkeit und fast religiösem Ernst immer mehr des Falschen tun, um die Umwelt zu schützen.

Vor allem in der ersten Hälfte zeigt er fundiert und mit sprachlichem Witz Absurditäten der deutschen Umweltpolitik auf: Wie der sorgsam getrennte Müll zusammengeschüttet und verbrannt wird, welche wahnhafte Qualität das Wassersparen angenommen hat und wie mit E10 ein teures „Öko-Produkt“ Hunger und Umweltschäden verursacht (Stichpunkte: Ernährungssicherheit, Vermaisung).

Durch allzu viele polemische Seitenhieben und in meinen Augen äußerst fragwürdige Lösungsvorschläge verliert er allerdings schnell und gründlich Sympathien. In Teilen kommt es ihm als Autor mehr darauf an, die Leser zu verblüffen, als zum Erkenntnisgewinn beizutragen: So ist nach Neubauer der Plastikbeutel ökologisch wertvoller als der aus Papier, weil sich Plastik besser mehrfach benutzen lässt, und „erst ab dem zehnten Einsatz steht die Stofftasche ökologisch besser da“. Ja, und? Stofftaschen kann mensch jahrelang benutzen. Mein Einkaufsbeutel ist über zwei Jahre alt und ständig im Einsatz. (Seinen Vorgänger habe ich verloren, sonst würde ich den wahrscheinlich heute noch mitschleppen.)

Trotzdem: Kein überflüssiges Buch! In Teilen hochinteressant. Gut geschrieben. Nicht mithalten kann es mit einem Klassiker, der einen ähnlichen Themenkreis abdeckt: „Confessions of an Eco Sinner“ bwz. in deutscher Übersetzung „Viermal um die ganze Welt„; dieses Buch von Fred Pearce empfehle ich seit Jahren enthusiastisch weiter. Das muss mensch gelesen haben. „Ökofimmel“ nicht. Aber lesenswert ist es doch.

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