Nur Barbies Huhn legt rosa Eier: Forschung sexistisch interpretiert

Ganz natürlich: Rosa Eier.

Ganz natürlich? Rosa Eier.

An der Supermarkt-Kasse bin ich gestern auf die rosa Überraschungseier „nur für Mädchen“ aufmerksam geworden. Was für eine selten blöde Idee. Aber im Trend: Wir durchleben einen Rückschritt in die 1950er Jahre, als noch galt, dass Mädchen mit Puppen spielen und Jungen Feuerwehrautos. Weil das eben so ist, basta! Für die gleichen lächerlichen Zuschreibungen wird heute die menschliche Natur herangezogen – weil unsere Biologie eben so ist, basta.

Alles Unsinn, aber er wird nichtsdestotrotz endlos wiedergekäut. Ein Beispiel: Die „Süddeutsche Zeitung“ gibt die Aussagen des Marktforschers Axel Dammer wieder: „Mädchen hätten nun mal ein „Puppen-Gen“ und würden sich sonst nicht mit solchen Sachen befassen. Wenn man aber ihre Vorliebe für rosa nutze, um sie dann für etwas zu begeistern, was sie sonst ignorieren würden, sei das doch eine gute Sache. … Feministen geben sich damit nicht zufrieden.“ Warum aber tut das die „Süddeutsche Zeitung“? Dass es kein Puppen-Gen gibt, sollte dort doch irgendjemand wissen. Dass Studien, die Ähnliches belegen wollten, umstritten sind, ist bekannt. Spielzeug „nur für Mädchen“ verlangt nicht Mutter Natur, oder moderner: das menschliche Genom. Rosa Eier legt die Spielzeugindustrie und vielleicht noch Barbies Huhn.

Auch die Bundeswehr wirbt um die Mädchen.

Auch die Bundeswehr wirbt um die Mädchen.

Auch die ewigweibliche, angeborene Vorliebe für Rosa ist nichts als ein Mythos. Nahrung erhielt der 2007 durch ein Experiment an der Universität Newcastle. Von gut 200 Probanden hatten die Frauen eine größere Präferenz für Rot und Rosa als die Männer. Die Schlussfolgerung der beiden Forscherinnen lautete, rote Früchte vom grünen Hintergrund zu unterscheiden sei für die Sammlerinnen wichtiger als für die Jäger gewesen. So hätte sich diese Vorliebe evolutionär herausgebildet. Der englische Kolumnist und Arzt Ben Goldacre hat diese atemberaubende Schlussfolgerung damals sehr hübsch auseinandergenommen. Für die, die zu faul sind, den englischen Text zu lesen, hier nur drei Denkanstöße:

  1. Eine Vorliebe für eine Farbe sagt NICHTS über die Fähigkeit aus, diese besonders gut zu erkennen.
  2. Eine Vorliebe bei Erwachsenen sagt NICHTS  darüber aus, ob diese angeboren ist.
  3. Seriöse Studien haben inzwischen längst belegt, dass Farbvorlieben kulturell bedingt sind.

Morgen kaufe ich ein Ei „nur für Mädchen“ und gucke, was ich darin finde. Das hätte ich übrigens als Kind nie getan. Jedes halbwegs intelligente Mädchen hat bei den Wundertüten die „für Jungs“ genommen, da waren coolere Sachen drin. Das Beste war aber immer noch „Yps“ mit Gimmick. Für Mädchen und Jungen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Aus der Wissenschaft, Geschlecht: Frauen, Männer und Kultur, Verbraucher abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Nur Barbies Huhn legt rosa Eier: Forschung sexistisch interpretiert

  1. Pingback: Ferrero: Gelbe Monster sind Symbol des Weiblichen | Bambi-Syndrom

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s