Yarn Bombing: Ein Kiez wird puschelig

Klare Worte...

Klare Worte…

Vor nicht all zu langer Zeit hatte ich mich noch über den Poller der Provence bei mir um die Ecke gefreut. Den gibt es immer noch. Ich hatte den Poller als „Guerilla Gardening“-Aktion begriffen, als Versuch, selbstbestimmt mehr Natur in die Stadt zubringen. Lag ich mit dieser Interpretation überhaupt richtig? Denn: In meinem Kiez scheint ein allgemeines Deko-Fieber ausgebrochen zu sein.

... und mir undurchsichtige Motive.

… und mir undurchsichtige Motive.

Mehrere Bäume tragen Pullis – Opfer des Yarn Bombing oder Guerilla Knitting, einer Art gestricktem Graffiti, die nicht als Sachbeschädigung gilt. So weit so, so gut. Den Anti-Atom-Strick auf dem Baumschutz oben verstehe ich. Auch die weltweit berühmteste Wollbombe, der pink umhäkelte Panzer, gibt mir keine Rätsel auf. Tolle Idee! Aber wozu brauchen die Bäume und Laternenpfosten Ringelpullis? Die Metallpfosten sehen natürlich bestrickt besser aus als vorher. (Oder umhäkelt? Ich kann weder stricken noch häkeln.) Den Bäumen wird der Wollmantel nicht schaden, nehme ich an. Aber dürfen Bäume nicht einfach Bäume sein? So ein alter Baum ist schön genug. Ein bisschen erinnert es mich an diese schrecklichen, „goldig“ sein wollenden T-Shirts für Hunde. Die werte ich als Hunde-Demütigung. Soweit würde ich jetzt bei Bäumen nicht gehen.

Goldig?

Goldig?

Während die Yarn Bomber für eine neue Puscheligkeit sorgen, kleben andere meiner Nachbarn Liebesbotschaften in Serviettentechnik an die Wände. Auch den Wänden macht das wohl nichts aus. Aber wird es nicht ein bisschen zu niedlich? Wird mein Kiez zum süßen Puppenstübchen für erwachsene Lilifees (und ihre Prinzen)? Oder handelt es sich um extrem subtile politische Botschaften? Wenn ja, welche?

Dann würde mich noch interessieren: Sitzen schon antifaschistische Gruppen zusammen, häkeln ACAB-Schals für die Bäume und malen in Schönschrift „Kein Vergeben, kein Vergessen“ auf Servietten? Von denen würde ich gern hören 😉 !

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Eine Antwort zu Yarn Bombing: Ein Kiez wird puschelig

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