Dirk Niebel: E10, eine Hungerkrise und ein Heuchler

Die Getreidepreise sind erneut gefährlich hoch. Eine globale Hungerkrise droht.

Und Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel nutzt die Krise, um das ungeliebte E10 in Frage zu stellen. Hinter sich hat er mit dieser Forderung unterschiedlichste Partner versammeln können: Hilfswerke wie „Brot für die Welt“, Umweltschutzorganisationen und Ölkonzerne. Das ist schade. Nur bei den Ölkonzernen wundert mich nicht, dass sie dieses durchsichtige Theater mitspielen. Einige Fakten:

  1. Während in den USA 40 Prozent der Maisernte im Tank landen, werden nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Deutschland auf nur 240.000 von insgesamt 12 Millionen Hektar Getreide und Rüben für Bioethanol angebaut. Das machte etwa 0,1 Prozent der Weltgetreideernte 2011 aus. Schafft Deutschland E10 ab, ändert das nichts daran, dass weltweit Menschen hungern.
  2. Der größte Teil der global angebauten Mengen an Getreide und Mais fließt nicht in die Herstellung von Biosprit, sondern landet als Futtermittel im Trog. Der enorme Milchprodukte- und Fleischkonsum in den Industrie – und einigen Schwellenländer und die damit verbundene Massentierhaltung sind entscheidendende Faktoren.
    ... ein Stück Lebenskraft?

    … ein Stück Lebenskraft?

    Tatsächlich werden  weltweit ein Drittel der Ackerflächen allein für die Fleischproduktion benötigt, aber nicht einmal zehn Prozent für den Anbau von Pflanzen für die Ethanolherstellung. Es wäre deutlich sinnvoller, Herr Niebel würde zum Vegetarismus aufrufen.

  3. Ein weiteres reales Problem ist, dass Geldanlagen in Rohstofffonds immer noch gang und gäbe sind, und Spekulationen die Getreidepreise in die Höhe treiben. Einige deutsche Banken (wie die Commerzbank und die Deka-Bank, die Fondsgesellschaft der Sparkassen) haben inzwischen auf den öffentlichen Druck hin aus ihren Rohstofffonds einige Agrarrohstoffe herausgenommen. Aber Global Players wie Goldman Sachs und die Deutsche Bank machen keine Anstalten gleichzuziehen. Für FDP-Mitglied Niebel wäre es zweifelsohne ein origineller Schritt, das einmal anzusprechen…
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