Rio+20 und das Versagen der Politik: Und das ist auch gut so?

„Mehr als 100 Staats- und Regierungschefs werden in den kommenden Tagen zum Zuckerhut reisen und uns langweilen mit drögen Absichtserklärungen und flauen Diskussionen. Sie werden reden und reden – und uns alle maßlos enttäuschen. Und das ist auch gut so.“, schreibt Spiegel-Redakteur Philip Bethge.

Green Economy: Ein neues Wirtschaftswunder?

Green Economy: Ein neues Wirtschaftswunder mit tollen Profiten?

Gut ist das in seinen Augen, weil wir neue Wege einschlagen müssen: Nachdem wir erkannt haben, dass der internationale staatliche Natur- und Klimaschutz gescheitert ist, so Bethge, können wir den richtigen Weg einschlagen, den der „Green Economy“. Denn das neue ökologische Bewusstsein der Wirtschaft könne die Umwelt retten.

Man nennt das auch: den Bock zum Gärtner machen. Denn Wirtschaftsunternehmen machen Profite. Schön, wenn sie das in Zukunft etwas umweltfreundlicher erledigen wollen. Aber ein grundsätzliches Umdenken, bspw. hin zu weniger Konsum, kann ich nicht von Konzernen erwarten. Für diese Kursfragen ist die Politik zuständig, von den genannten Staats- und Regierungschefs über Nichtregierungsorganisationen (NROs) bis hin zu engagierten Bürgern und Bürgerinnen.

Zudem ist der Begriff der „Green Economy“ inzwischen sehr weit gefasst. So weit, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) im September die Konferenz „Green Economy – Ein neues Wirtschaftswunder?“ veranstaltet. Kein Umdenken also, sondern die Hoffnung auf einen neuen, rasanten wirtschaftlichen Aufschwung – auch das fällt inzwischen scheinbar unter „Green Economy“, jedenfalls für BMBF und BMU.

Zur Klarstellung: Es ist absolut begrüßenswert, wenn Unternehmen fairer und umweltfreundlicher produzieren. Und ich bin überzeugt, dass auch in großen Konzernen grüne Überzeugungstäter sitzen. Mit denen können sich Umweltschützer durchaus an einen Tisch setzen. Aber das ändert nichts am Grundwiderspruch: Unternehmen sollen in erster Linie Gewinne erwirtschaften. Nicht die Umwelt schützen.

Oder retten Konzerne jetzt die Welt?

Oder retten Konzerne jetzt die Umwelt?

Bethge verweist auf den Outdoor-Ausrüster „Patagonia“. Der hatte durch eine Anzeige von sich reden gemacht, in der potentielle Kunden aufgefordert werden, die Produkte der Firma NICHT zu kaufen – kurz nachdem die Outdoor-Branche durch ausbeuterische Produktionsbedingungen und tierquälerische Praktiken in die Kritik geraten war.

Hat „Patagonia“ durch die Anzeige ernste Umsatzeinbüßen hinnehmen müssen? Mit der Kampagne hat die Firma elegant ihr Recycling-Konzept in den Mittelpunkt gestellt und, so tippe ich, Kunden gewonnen und neue Zielgruppen erschlossen. Die sind der Firma, falls sie tatsächlich ethisch produziert, durchaus zu gönnen. Aber auf die Wirtschaft als treibende Kraft für eine bessere Welt können wir deshalb noch lange nicht setzen. Wenn die internationale Politik versagt, ist das leider gar nicht gut so.

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