Der Naturromantiker: Zum 150. Todestag von Henry David Thoreau

Einer der Urväter des Bambi-Syndroms?

Einer der Urväter des Bambi-Syndroms?

Den 150. Todestag von Henry David Thoreau kann das Bambi-Syndom natürlich nicht ignorieren. Die meisten Zeitgenossen dagegen werden von seinem frühen Tod nichts erfahren haben. Denn Erfolg als Schriftsteller hat Thoreau nie gekannt – und der Ruhm ließ auch nach seinem Tod noch lange auf sich warten. Sein Essay „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ wurde im Zuge der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung weltweit zum Kultbuch. Und auch das Buch „Walden oder Leben in den Wäldern“ machten erst die ökologischen Aktivisten der 1970er Jahre zu einer der Bibeln des neuen Umweltbewusstseins.

Seitdem entdeckt jede nach Alternativen suchende Generation den Querdenker, Zivilisationskritiker und Anarchisten wieder für sich. Das Thoreausche Credo der Einfachheit und seine Kritik an den damals modernen Massenmedien und Kommunikationsmitteln („Ich für meinen Teil könnte leicht ohne Post auskommen. Ich glaube, dass nur wenig wirklich wichtige Mitteilungen durch sie gemacht werden.“ ) werden auch in Zukunft kaum aus der Mode kommen.

Dabei ist es einfach, den Naturromantiker als inkonsequenten Wirrkopf abzustempeln: „Den ausführlichen Listen, die Thoreau während seiner zwei Jahre in den Wäldern führte, kann man entnehmen, dass er seine Wäsche regelmäßig in Concord in die Wäscherei brachte; auch tauchte er dort abends häufig bei diversen Feierlichkeiten auf. „Walden“ beschreibt nichts weniger als einen Rückzug in die Natur. Beschrieben wird vielmehr der Versuch eines wirrköpfigen Egomanen, auf einer selbstgezimmerten Hütte quasi im Vorgarten seines besten Freundes zu leben.“

Aber wäre Thoreau nicht mehr gewesen als das, würde ihn die „Welt“ nicht würdigen. Nach den harten Worte wirft Hannes Stein die schöne Frage auf, wo in der heutigen politischen Landschaft der Platz eines Henry David Thoreau wäre: In der Occupy-Bewegung? Oder etwa beim rechten „Tea Party Movement“? Keine der Alternativen überzeugt mich. Thoreau, das wäre mein Tipp, würde heute die Bequemen mit dem reinen Gewissen geißeln, die LOHAs also, die allein mit „gutem“ Konsum die Welt retten wollen. Wie das beispielsweise sehr pointiert und lesenswert Kathrin Hartmann tut mit ihrem Buch „Ende der Märchenstunde“. Nur würde es Thoreau viel poetischer sagen

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