Selbstgefällige Gutmenschen? Biokäufer im Kernspintomografen

Ostern – und bei mir in Kiez sind die Bio-Eier ausverkauft. Der zunehmende Run auf Bio-Produkte hat anscheinend nicht nur Geschmacks- und Gewissensgründe. Tatsächlich fühlen wir uns besser, wenn wir biologisch zertifizierte Lebensmittel kaufen.

Ein hochinteressanter Artikel in der „Zeit“ stellt die Arbeit des Bonner Hirnforschers Bernd Weber vor. Der hat herausgefunden, dass ein Teil des Belohnungssystems im Gehirn intensiver aktiviert wird, wenn wir Lebensmitteln mit Ökosiegel sehen, als wenn uns konventionell produzierte Waren gezeigt werden. Und schon wenn wir etwas nur für „bio“ halten, schmeckt es uns automatisch besser. Deswegen geben wir gern mehr Geld für biologisch angebaute Lebensmittel aus – wenn wir es uns leisten können.

Durchleuchtet: Was beim Kauf von Bio-Eiern im Kopf passiert

Durchleuchtet: Was beim Kauf von Bio-Eiern im Kopf passiert

„Bio“ heißt für viele Menschen sich etwas Gutes zu gönnen. Natürlich glauben wir gern, dass besser schmeckt, was teurer ist. Meine zwei Versuche mit Austern haben mich beispielsweise davon überzeugt, dass diese glibberigen Tiere kaum jemand freiwillig essen würde, gälten sie nicht als Symbol des Luxus. 

Bei vielen Bio-Produkten hoffe ich zumindest auf tierfreundlichere Haltung und weniger Umweltschäden. Und auch mich überzeugt der Geschmack. Was ganz einfach bedeuten könnte, dass mich mein Gehirn hereinlegt. Oder schmecken Eier aus konventioneller Haltung wirklich immer leicht nach Fisch? Mir jedenfalls kommt es so vor. Und tatsächlich greife ich auch trotz des aktuellen Dioxin-Skandals und dem Wissen um die Importe aus dem Ausland weiter zu den Bio-Eiern. Wie ganz offensichtlich das Gros meiner Nachbarn.

Laut der in der „Zeit“ zitierten Ökonomin Nina Mazar halten wir uns nach dem gefühlt nachhaltigen Einkauf unter Umständen allerdings sogar für moralisch überlegen, was unschöne Folgen haben kann. Ob durch diesen Effekt das Vorurteil von den „selbstgefälligen Gutmenschen“ mit Bioladen-Tüte entstanden ist?

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